Publications   Empirical Studies Kyn-Schrettl-Vintzentz: Simulation des Einflusses der Planung auf die sowietische Wirtschaft.

 


3. Die anderen Gleichungen

 

 

Die Allokation des Faktors Arbeit auf die Sektoren wird, entsprechend dem oben geschilderten Grundkonzept, verstanden als Ergebnis der Nachfrageder Betriebe nach Arbeitskräften. Diese Nachfrage hängt ab von der Höhe der Produktion, die das Management eines jeden Betriebes zu erzielen gedenkt. Dabei wird die Höhe des vorhandenen, nicht frei veränderbaren Kapitalstocks berücksichtigt. Es wird eine ausreichende Elastizität des Arbeitskräfteangebots unterstellt, so daß die Nachfrage immer der tatsächlichen Beschäftigung entspricht. Für die unter­suchte Periode ist diese Annahme berechtigt. Nimmt man an, daß sich die Vorstellungen der Betriebe über ihre Produktionstechni­ken durch eine Cobb-Douglas Funktion mit konstanten Skalenerträgen und zeitabhängigem technischen Fortschritt beschreiben lassen, so ergibt sich als Arbeitskräftenachfrage pro Kapitaleinheit

 (6)            Lt/Kt  =  A –1/a e –(z/a)t  (Zt/Kt) 1/a e –(mt /a) 

 Dabei bezeichnet L die Arbeitsnachfrage, K den Kapitalstock, Z den angestrebten Output, a die Arbeitselastizität des Outputs, z die Rate des technischen Fortschritts, t die Zeit, A das kon­stante Glied und em  die erwartete Abweichung der totalen Faktor-produktivität vom Trend.

 

 

Bezüglich der von den Betrieben angestrebten Produktionshöhe Z wird angenommen, daß sie aus verschiedenen Gründen von der Output—Planauflage der Zentrale abweicht. Einmal gibt das Bonus-System den Managern einen Anreiz nach einer gewissen, allerdings nicht zu großen, übererfüllung der Pläne zu streben. In die gleiche Richtung wirken zweitens bei Risikoaversion der Betriebe gewisse mit Plan-Untererfüllung verbundene Nachteile. Drittens schließlich kann ein zu hoher Plan die Betriebe veranlassen, von vornherein nur den machbar erscheinenden Output anzustreben. Da für die Betriebe die Höhe des Kapitalstocks gegeben ist und bei der Festlegung ihrer angestrebten Produktionshöhe berücksichtigt wird, messen wir bei der Formulierung der Beziehung zwischen Outputplan der Zentrale und angestrebten Output der Betriebe beide Größen pro Einheit Kapitalstock. Wegen ihrer Allgemeinheit und leichten Handhabung verwenden wir die Form  


(7)                           Zt/Kt    =   go (Zt/Kt ) g1  
 

Hier steht P für die zentralen Output-Planauflagen. Aufgrund des oben Gesagten darf für y1 ein positiver Wert kleiner eins erwartet werden.

 

Bei der Bestimmung der Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften entsprechend (6) nehmen wir an, daß sich die Manager bei ihren Erwartungen bezüglich der Abweichung der totalen Faktorproduktivität vom Trendwert an der in der jeweiligen Vorperiode tatsächlich eingetretenen Abweichung orientieren, und zwar nach der einfachen Beziehung

(8)                             e mt   =  e fmt-1 + e    
 

 

 

wobeif ein Parameter und eeine Störvariable ist. Bei z.B. einem positiven Wert für f, kleiner eins erwarten die Betriebe, daß sich Abweichungen der Faktorproduktivität vom Trend in der jeweils nächsten Periode abgeschwächt fortsetzen. Bezüglich der Bestimmung von durch die Betriebe nehmen wir an, daß sie sich entsprechend der (6) zugrunde liegenden Cobb-Douglas Funktion verhalten, d.h.  


(
9)             e mt   =   Y t-1 A –1 e z(t-1) K t-1 -(1-a) L t-1 -a
         
 

Y bezeichnet den tatsächlich erreichten Output.

 

Durch einfaches Einsetzen zuerst von (9) in (8) und dann des re­sultierenden Ausdruckes zusammen mit (7) in (6) resultiert die für die Sektoren Industrie und Transport sowie für die gesamte produktive Beschäftigung verwendete Standardform

(6a) Lt/Kt=Be(z/a)(f-1)t (Pt/Kt) g1/a(Yt-1/Kt-1)f/a(Lt-1/Kt-1)feet 

wobei B aus einigen Konstanten zusammengesetzt ist. Wie man leicht sieht, lassen sich die Koeffizienten f, a, g1 und z nach einer Schätzung von (6a) separieren.

 

 

 

Die Beschäftigung in der Landwirtschaft, die als Reservoir von Arbeitskräften für die anderen Sektoren anzusehen ist, nimmt entsprechend einem zeittrend ab und ist positiv mit der qesamten produktiven Beschäftigung verbunden.

Eine Null-Eins variable steht für die außergewöhnlichen Bodenzuwächse während der Neulandkampagne von Chruschev. Die aus der Landwirtschaft abwandernden Arbeitskräfte finden im ersten Stadium zumeist in derBauwirtschaft, die eine hohe Mobilität verlangt und die höchsten Löhne aufweist, Beschäftigung. Weiterhin wird hier die gesamte erwerbsfähige Bevölkerung einbezogen, um die dernographisch bedingten Veränderungen der landwirtschaftlichen Beschäftigung zu korrigieren. Für den Residualsektor werden der tatsächliche Output, als Ersatz für den geplanten Output, und die verzögerte Beschäftigung verwendet.

Die Beschäftigung im unproduktiven Bereich (Dienstleistungen) wird von der produktiven Beschäftigung und den Staatsausgaben für den unproduktiven Sektor abhängig gemacht.

 

 

Bei der Erklärung der Produktion in der sowjetischen Wirtschaft läßt sich aus der Abwesenheit von Lücken bei der Endnachfrage die Annahme eines stabilen Auslastungsgrades der Produktionsfaktoren rechtfertigen. Dies erleichtert zwar die Schätzung von Produktionsfunktionen, dennoch zeigen sich in den Ergebnissen Schwan­kungen der totalen Faktorproduktivität 7) In der theoretischen Literatur wurde nun, aus der Erkenntnis, daß einerseits zu niedrige (“weiche“) Pläne den Betrieben - wegen der Gefahr, in der nächsten Planperiode bei Ubererfüllung höhere Planauf lagen zu diktiert zu bekommen (ratchet-Effekt der Planung) keine Anreize zu evt. möglichen überplanmäßigen Anstrengungen geben und andererseits zu straffe Pläne bei Nichterfüllung, und sei es nur in einzelnen Bereichen, zu Engpässen bei Vorleistungen und damit zu kumulativen Effektivitätsverlusten führen; die Vorstellung von einer optimalen Angespanntheit (optimal tautness) der Plane entwickelt.8) Leider scheiterten alle unsere Bemühungen, den Zusammenhang zwischen Plan und Effektivität auf Makroebene empirisch zu erfassen. Alle Versuche, Plangrößen zum Zweck der Erklärung von Schwankungen der totalen Faktorproduktivität direkt in die Produktionsfunktionen einzubeziehen, blieben ohne ver­wertbare Resu1tate. Wir unterstellen daher eine konstante Veränderungsrate der Faktorproduktivität. Als Form der Produktionsfunktion verwenden wir für den Sektor Industrie die CES-Funktion. Die empi­risch sich ergebende niedrige Substitutionselastizität erlaubt es, die in der sowjetischen Industrie während des Beobachtungszeitraums auftretende Wachstumsverlangsamung aus den Schwierigkeiten bei der Substitution von Arbeit durch Kapital zu erklären. 9) Für alle an­deren Sektoren werden Cobb-Douglas Funktionen verwendet, in die im Falle der Landwirtschaft noch eine Wettervariable einbezogen wird. Unbefriedigend erscheint uns die Cobb-Douglas Form für den Sektor Bauwirtschaft. Er zeigt starke Wachstumsschwankungen und es spricht einiges für die Erklärung, daß die Produktion in diesem Sektor stark von Vorleistungen abhängig ist.

Die gesamte Investition einer Periode wird als abhängig von derverfügbaren Produktion gesehen. Als erklarende Variable werden die Outputs der Sektoren Industrie und Bauwirtschaft verwendet. Die Be­rechnung der “Endnachfrage“ des Sektors Industrie aus der entspre­chenden Bruttoproduktion erfölgt mit Hilfe der Koeffizienten aus der Input-Output Tabelle. 10)  Von der sich ergebenden Industriepro­duktion wird nur der Anteil der Produktionsgüter herstellenden Abteilung A, wie sie in der sowjetischen Statistik genannt wird, berücksichtigt. Die verteidigungsausgaben werden, trotz der mit ihnen verbundenen Problematik,11) noch zu den genannten erklärenden Variablen hinzugefügt.

Der Brutto zuwachs des Kapitalstocks eines jeden Sektors wird aus den Investitionen erklärt, wobei verteilte Verzögerungen unterstellt werden. Die von uns für Schätzzwecke gemachte Annahme einer konstanten Struktur der Verzögerungen ist insofern unbefriedigend als die zugrundeliegende Beziehung nicht als rein technisch bestimmt angesehen werden kann. Wie schon angedeutet, spielen die Fertigstellungsfristen eine Rolle als Instrumentvariable der Planer. Adäquat wäre ein Ansatz mit sich ändernder lag-Struktur. Die von uns gesähätzten Funktionen (vom Almon- bzw. Koyck-Typ) sollten daher als durchschnittliche Verzögerungen bei der Fertigstellung von In­vestitionsprojekten angesehen werden.

 

 

 

 

 

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