1 Die Überschrift ist eine Paraphrase des Titels des veröffentlichten Gesprächs. Die Antwort von Ota Sik deutet sowohl seine aktuelle Position in der Frage des Dritten Weges an, als auch eine nachträgliche Umdeutung seiner früheren Position:

Leschtina: "Heute werfen ihnen vor allem einige junge Fachleute vor, das Sie irgendeinen chimärischen Dritten Weg befürworteten, einen lebensuntauglichen Hybrid der Plan- und Marktwirtschaft".

Sik: "Schauen Sie, wir konnten damals nicht alle unsere Absichten voll präsentieren. Gerade in meinen Erinnerungen beschreibe ich unsere Kulissenkämpfe um die Reform mit Antonín Novotny. Auch für manche Reformkommunisten war nur der Gedanke auf die Einführung des Privateigentums oder Gemeinschaftsbetriebe mit kapitalistischen Firmen eine Todsünde. Somit war auch der Dritte Weg ein Täuschungsmanöver. Schon damals war ich überzeugt, daß die einzige Lösung für uns der vollblütige kapitalistische Markt darstellt. Und heute, nach zwanzig Jahren des Lebens im Westen, bezweifle ich das nicht im geringsten."

Mladá fronta, 2.8.1990, S. 2 unter dem Titel "Der Weg zur Einsicht"

 

2 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 21

3 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988. S. 27

4  Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 41

5 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S.60 - 61

6 Ota Sik berichtet über ein Gespräch mit Novotny im Jahre 1963: "Nach vergeblichen Bemühungen, bei Kolder eine Veröffentlichung meines Artikels zu erreichen, entschloß ich mich, den Weg direkt über Novotny zu suchen. Auf meinen Anruf hin mit dem Ersuchen, ein Gespräch über die Wirtschaftsprobleme zu führen, gab mir Novotny sofort und bereitwillig eine "Audienz" - für den nächsten Tag! Ich merkte daran, unter welchem politischen Druck er stand und wie er verzweifelt nach Lösungen suchte.  

Am nächsten Tag befand ich mich also wieder einmal - nach langen Jahren - von Angesicht zu Angesicht bei Novotny in seinem luxuriösen Arbeitszimmer auf der Prager Burg. Die Unterhaltung begann zuerst etwas krampfhaft, da ich nicht gewillt war, ihn mit "Genosse Präsident" zu titulieren, nachdem ich ihn im Konzentrationslager und auch noch einige Jahre im Prager Kreissekretariat einfach nur Tondo (von Anton) gerufen hatte. Meiner Ansicht nach wäre es nötig, ganz offen in einem Artikel verschiedene Fehler, die uns bei der Reorganisation unterlaufen sind, aufzuzeigen und damit eine breitere Diskussion unserer Fachleute aus der Praxis und Theorie in unseren Zeitungen hervorzurufen. Ähnlich wie sie es jetzt auch in der Sowjetunion machen. Das war's. Hier war ein Ausweg für ihn".

`Ja gut, ich bin einverstanden. Warum schreibst Du nicht so etwas? Du bist ja Ökonom und Mitglied des Zentralkomitees, Du könntest doch ähnlich wie der Professor Liberman in der Sowjetunion so eine Diskussion starten`.

`Tondo, das habe ich ja schon geschrieben, schon vor drei Monaten`. `Na und, was ist damit geschehen, warum hast Du es nicht publiziert?`

`Das wollte ich ja, habe es auch zu Svestka ins Rudé Právo geschickt. Aber Drahos Kolder hat verboten, es zu veröffentlichen!`

"Noch voller Wut packte Novotny den Hörer und rief über das parteiinterne Telefon Svestka an. Als dieser sich meldete, herrschte ihn Novotny an:"

"Genosse Svestka, Du hast dort einen Artikel von Ota Sik schon einige Monate liegen, warum hast Du ihn nicht veröffentlicht? Du weißt doch, wie wir jeden Vorschlag zur Überwindung unserer Wirtschaftsschwierigkeiten ernst nehmen müssen!"

"Und so begann alles. Den Artikel hat Novotny vorher nicht gelesen. Aber bereits am nächsten Tag erschien er im Rudé Právo, ungekürzt, in vollem Wortlaut und über zwei halbe Seiten. Im zentralen Parteiorgan und in dieser Aufmachung - das wurde wie eine offizielle Parteilinie aufgenommen. Die Reaktion aus den Betrieben und der Bevölkerung war phantastisch".

Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S.144 - 148  

 

7 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 22

8 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 24

9 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988. S. 18

10 Noch im Jahre 1966 schreibt Ota Sik: "Das bedeutet aber keineswegs, daß es in dieser Hinsicht zwischen der sozialistischen und kapitalistischen Wirtschaft gar keinen Unterschied gibt, daß wir in diesem Zusammenhang unsere prinzipiellen marxistischen Positionen ändern müssen.... Das kapitalistische Unternehmertum ist in unserem Lande - von der historischen Warte aus gesehen - eine unwiderruflich vergangene Entwicklungsetappe. Unser Markt ist ein sozialistischer Markt, auf dem nur sozialistische Produktionsbetriebe und Handelsorganisationen in Erscheinung treten. Die Produktionsmittel werden grundsätzlich nur an sozialistische Produktionskollektive verkauft, und das schließt die Möglichkeit der Wiederherstellung der kapitalistischen Produktion aus.

Sik, Die tschechoslowakische Wirtschaft auf neuen Wegen zweite Auflage, Prag 1966, S. 15 - 17 und 32

11 Noch in der Publikation aus dem Jahre 1974 wird dem Privateigentum ein recht bescheidener, marginaler Platz eingeräumt:

"In meinem System sehe ich die Möglichkeit von drei fundamentalen Forrnen des Eigentums.

Auf manchen Gebieten kann das Staatseigentum eine Rolle von progressiver Bedeutung spielen, über zentrale Führung tatsächlich eine rationale und wirtschaftliche Funktion ausüben, beispielsweise auf jenen Gebieten, die nicht durch zerstreute Produktionen gekennzeichnet sind: Elektroenergiebereich, Nuklearenergiebereich usw. Ich kann mir vorstellen, daß Staatseigentum hier zu sehr interessanten Resultaten führt, vielleicht auch in den Sektoren des Bergbaus und der Schwermetallurgie. Das sollte noch konkret untersucht werden. Es folgt dann die Normalindustrie, in der eine sehr verstreute und verschiedenartige Produktion vorherrscht. Hier wäre jene Form von Kollektiveigentum möglich, wie wir sie in der Tschechoslowakei entwickeln wollten: eine Beteiligung am Kollektivkapital für alle, die in diesen Betrieben arbeiten. In mehr als einem Sektor kann dieses Kollektiveigentum am Kapital sogar die Form eines Innungseigentums annehmen (besonders in der Landwirtschaft). Dieses Kollektiveigentum würde dann die wahre Basis für das sozialistische System bilden.

Das Privateigentum schließlich hat seine Berechtigung in jenen Sektoren, die zur Kleinproduktion gerechnet werden: Handwerk, Kleinhandel, unterer Dienstleistungsbereich, also überall da, wo es sich mehr oder weniger um Familienbetriebe handelt"

Ota Sik: Für eine Wirtschaft ohne Dogma, München 1974 S. 185

12 Proc nasi reformátori nenavazují na ekonomickou reformu Prazského jara? Trzní systém bez prívlastku. (Warum knüpfen unsere Reformer nicht an die Reformen des "prager Frühlings an? Das Marktsystem ohne Adjektiva).

Jirí Kosta, Lidové noviny, 30.1.1992

13 Sik brings to his discussion of reform movements in communist countries a wealth of experience which makes this discussion one of the better parts of the book.

The publication of Sik's book is evidence of continuing interest in worker-managed socialist market economies. However, it adds little to arguments previously made by Vanek (1971), Horvat (1983), and Nove (1983). Rather than rehearsing old arguments, advocates of worker-managed firms and democratic macroeconomic planning might better spend their time rebutting the challenges posed by the Yugoslav experience, neoclassical theories of worker-management, and the literature on public choice and political business cycles.

P. Burkett, Journal of Economic Literature, Vol. XXIV S. 1233 - 1234

14 Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 82

15 MW (= Management Wissen): Haben Sie nur Kritik oder auch Lösungsansätze?

Sik: Ich bin der Überzeugung, daß die Massenarbeitslosigkeit, die in den westlichen Industrieländern herrscht, zu vermeiden ist, nämlich durch eine Makroplanung. Diese Makroplanung hat nichts gemein mit der alten sozialistischen, dirigistischen Planung - es ist keine Planung der Produktion, keine Reglementierung der Betriebe. Sie lenkt vielmehr die großen Prozesse, um Vollbeschäftigung zu erhalten. Und diese großen Prozesse sind das Wachstum der Produktion, das Angebot an Arbeitskräften, die Beschäftigung, also die Verwandlung der Arbeitsfähigen in Arbeitstätige. Und die Beschäftigung hängt ab von dem Wachstum der Investitionen, aber auch von der Modernisierung, also von den qualitativen Änderungen, vom technischen Fortschritt und schließlich von der Entwicklung bestimmter neuer Wirtschaftssektoren, die ich Alternativsektoren nenne.

Ein Sik Interview der Zeitschrift Management Wissen vom April 1988 "aus Gründen anhaltender Aktualität" im Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S. 368 - 374 wiederabgedruckt.

16 Stellenweise grenzt diese Distanzierung an Geschmacklosigkeit. So vor allem dort, wo Ota Sik, wie im Gespräch für mladá fronta vom Drittem Weg als "Tarnungsmanöver" spricht. Tarnungsmanöver im Schweizer Exil?

Eine andere, vom Kommunismus her gut bekannte Methode der nachträglichen Umschreibung der Geschichte, belegt das folgende Zitat aus der WELT.

Gespräch mit Ota Sik, Die Welt v. 5.11.1990 betitelt:

"Wer will denn heute den Mischmasch aus Plan und Markt?" "Wir, der Kern der ökonomischen Reformer, versuchten in Prag damals eben nicht den Kommunismus zu reformieren. Unser eigentliches Ziel war es, ihn abzuschaffen und ein neues System aufzubauen. Man hat zwar immerfort von der Reform zu einer sozialistischen Demokratie oder sozialistischen Marktwirtschaft sprechen müssen, weil man sonst überhaupt nicht an die Öffentlichkeit gelangt wäre. Aber sowohl ich als auch meine nächsten Mitarbeiter wußten, daß der Kommunismus in seinen Grundideen gescheitert war".

17 Unter dem Titel "Unglückliche Terminologie" schreibt Sik:"Die Wahl der Bezeichnung "Dritter Weg" mag angesichts ihres Missbrauchs und der Mischmasch-Vorstellungen, die mit ihr verbunden werden, nicht die glücklichste gewesen sein. Heute würde ich meine Vorstellungen einer Marktwirtschaft mit makroökonomischer Planung der marktkonformen Wirtschaftspolitik eher als weiterentwickelte "Soziale Marktwirtschaft" bezeichnen. Während Marktwirtschaften manchmal innerhalb politischer Diktaturen eine Zeitlang existieren können, sind pluralistische Demokratien nur mit Marktwirtschaften unterschiedlichster Formen, aber nie mit zentralisierten, dirigistischen Planungssystemen bzw. Verboten privater Unternehmensentwicklung vereinbar. Auch das Modell des "Dritten Wegs" ist als "besondere Form einer Marktwirtschaft" mit der politischen Demokratie verbunden und könnte nur in Verbindung mit ihr richtig aufblühen.

Ota Sik, Der "Dritte Weg" als verbesserte Marktwirtschaft. Absage an einen ordnungspolitischen Mischmasch. Neue Zürcher Zeitung, Nr. 287 v. 10.12.1991

18 Ota Sik, Prager Frühlingserwachen. Erinnerungen, Herford 1988, S.375 - 377.

19 Originalausgaben in Fettschrift, Übersetzungen in Normalschrift.

20 Ekonomika - Zájmy - Politika, Prag 1962, (Ökonomie - Interessen - Politik), Russische Ausgabe: Moskau 1964, Deutsche Ausgabe: Berlin (Ost) 1966

K problematice socialistickych zbozních vztahu, Prag 1965, (Zur Problematik der sozialistischen Warenbeziehungen), Ungarische Ausgabe: Budapest 1968

Die tschechoslowakische Wirtschaft auf neuen Wegen, Prag 1965, Englische Ausgabe: Prag 1965, Französische Ausgabe: Prag 1965

Plán a trh za socialismu, Prag 1967, (Plan und Markt im Sozialismus), Deutsche Ausgabe: Wien 1967, Amerikanische Ausgabe: New York 1967,Ungarische Ausgabe: Budapest 1968, Schwedische Ausgabe: Stockholm 1969, Norwegische Ausgabe: Oslo 1969, Italienische Ausgabe : Rom 1969, Spanische Ausgabe: Mexico City 1971, Chinesische Ausgabe: Peking 1981

Fakta o stavu Ceskoslovenského národního hospodárství, Prag 1968, (Fakten der tschechoslowakischen Wirtschaft), Deutsche Ausgabe: Wien 1969, Amerikanische Ausgabe: New York 1969, Französische Ausgabe: Paris 1969, Italienische Ausgabe: Rom 1969, Spanische Ausgabe: Barcelona 1969, Schwedische Ausgabe: Stockholm 1969, Norwegische Ausgube: Oslo 1969, Dänische Ausgube: Kopenhagen 1969, Japanisrhe Ausgabe: Tokyo 1972

Der Strukturwandel der Wirtschaftssysteme in den osteuropäischen Ländern, Zürich, 1971

Demokratische und sozialistische Plan- und Marktwirtschaft, Zürich, 1971

Der Dritte Weg - Die marxistisch-leninistische Theorie und die moderne Industriegesellschaft, Hamburg 1972, Französische Ausgabe: Paris 1974, Italienische Ausgabe: Rom 1974, Amerikanische Ausgabe: White Plains/N.Y. 1976, Englische Ausgabe: London 1976, Japanische Ausgabe Tokyo 1976, Chinesische Ausgabe: Peking 1976, Spanische Ausgabe: Madrid 1977, Portugiesische Ausgabe : Coimbra 1978, Jugoslawische Ausgabe: Zagreb 1983

Argumente für den Dritten Weg, Hamburg 1973, Spanische Ausgabe: Barcelona 1975, Japanische Ausgabe: Tokyo 1976, Französische Ausgabe: Paris 1978, Portugiesische Ausgabe: Coimbra 1978

Für eine Wirtschaft ohne Dogma, München 1974

Das kommunistische Machtsystem, Hamburg 1976, Italienische Ausgabe: Rom 1977, Japanische Ausgabe: Tokyo 1980, Amerikanische Ausgabe: New York 1981

Humane Wirtschaftsdemokratie, Hamburg 1979, Chinesische Ausgabe: Peking 1983

For a Humane Economic Democracy, New York 1985

Ein Wirtschaftssystem der Zukunft, Berlin/Heidelberg/N.Y. 1985, Tschechische Ausgabe: Köln 1987

Wirtschaftssysteme-Vergleiche-Theorie-Kritik, Berlin/Heidelberg/New York 1987

21 Sik und Kollektiv, Sozialismus heute? S.198-206

22 Sik, "Für Jirí Sláma", Lidové noviny, 8.8.1990

Sik, "Gegen die Coupon-Verteilung des Volkseigentums an die gesamte Bevölkerung - Die Transaktion großer Risiken", Hospodárské noviny, 29.6.1990

23 Sik, "Für Jirí Sláma", Lidové noviny, 8.8.1990

24 Gratis verschenkte Aktien würden nach Sik bei ihren Besitzern keine Risikoentscheidung bewirken. Sie haben nichts ausgegeben, sie können nichts verlieren, und das, was sie eventuell als Dividende erhalten könnten, liegt für die meisten in den Sternen."

Sik: Es handelt sich um die Privatverantwortung für das Kapital ??

25 z.B. Sik und Kollektiv, Socialismus dnes?, Prag 1990 (Sozialismus heute?) S.36

26 Rosen,C.,Quarry,M.:"How well is employee ownership working?", Special Report in Harvard Business Review, 5/87,str.126-131

27 Kelso, D.O.,Hettler,P.:"How to turn eighty workers into capitalists on borrowed money", New York, Random House 1976

28 A.Blinder Hrsg., Brookings Papers, Washington 1990

29 Sik und Kollektiv, Socialismus dnes? (Sozialismus heute?) S.38


Reforms   Sik 


 

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